8 Miles
8 Miles
In "8 Miles" rappt Eminem wie ein Kung-Fu Fighter um Anerkennung und Sieg. Beim ersten Mal versagt ihm die Stimme, er wird ausgebuht und von der Bühne verjagt. Danach folgt Niederlage auf Niederlage. Seine Freundin verlässt ihn, er zieht zu seiner Mutter in einen abgewrackten Wohnwagen, sie trinkt, er schlägt sich mit ihrem Lover und seine neue Freundin schläft mit den Plattenbossen, um nach oben zu kommen. Er wird von einer Gang verprügelt und rappt weiter still vor sich hin. Das alles passiert innerhalb einer Woche. Der nächste Rapp-Kampf steht bevor. Sein Freund meldet ihn wieder bei dem Wettbewerb an. Jetzt macht Eminem die Türen hinter sich zu. Was hat er zu verlieren? Am Boden angekommen stellt er sich der grölenden Menge.
Im Kampf Rap gegen Rapper, geht es darum, den Gegner mit Worten nieder zu machen. Mit schlagfertigem Wortwitz wird der Widersacher besungen. Das Publikum entscheidet, wer weiterkommt. Eminem schafft es bis zum Endkampf, wo er gegen den lokalen Champion antreten muss. Der lässt ihm den Vortritt. Doch anstatt auf den Gegner einzurappen, singt Eminem über sein eigenes Leben. Er gibt all seine Niederlagen zu: "Schau, ich habe eine Mutter die säuft, ich wurde verprügelt und meine Freundin fickt sich nach oben!" Sein herausgeschrieenes Selbstbekenntnis geht unter die Haut und gibt ihm gleichzeitig Kraft und Würde. Sein Gegner, der danach das Mikrophon in die Hand bekommt, wollte sich genau über diese Schwächen lustig machen. Jetzt geht er sprachlos von der Bühne und Eminem wird von der begeisterten Menge gefeiert.
Jeder von uns versucht gut dazustehen. "Looking good, going no where!" Kurz gesagt, das bringt dich nicht weiter. Es ist paradox: wir wollen gut dastehen, um anerkannt und bewundert zu werden. Aber richtiges Mitgefühl und Miteinander entsteht gerade dann, wenn du nicht gut dastehst, wenn du zu deinen Niederlagen und Ängsten stehst. Wir schaffen dadurch keinen Club der Versager und Verlierer. Wir schaffen einen Raum, der echt ist, denn wir bestehen nicht allein aus schöner Fassade. Da wir in der Männergruppe nicht rappen, benutzen wir andere Methoden, um uns näher zu kommen. Dazu gehört, dass der Raum für dich sicher ist, damit du dich zeigen kannst.