Schmerz

Wer ist das Weichei?

Wer ist das Weichei?

"Jetzt stell dich mal nicht so an!" – "Du hast ja keine Ahnung, wie weh das tut!". Viele kennen solche kleinen Streitereien. Und tatsächlich ist es oft schwierig, einen Schmerz genau zu beschreiben. Beinahe unmöglich ist es, zu erklären, wie sehr ein unangenehmer Reiz weh tut. Ganz bestimmt gibt es genau deshalb rund um das Thema Schmerzempfinden eine ganze Reihe von Klischees: Ein Indianer kennt keinen Schmerz! Männer würden nie ein Entbindung aushalten! Mädchen sind Heulsusen!

Männer halten den Schmerz länger aus

Mainzer Wissenschaftler wollten in ihren Untersuchungen nicht nur wissen, ob Frauen oder Männer früher einen Schmerz spüren, sondern auch, welches Geschlecht einen Schmerz länger aushalten kann. Für diesen Versuch brauchen sie nur wenige Utensilien: eine Schüssel mit Eiswasser und eine Uhr. Die Probanden müssen dann ihre Hände in die Schüssel legen. Männer halten das im Durchschnitt etwas länger als eine Minute aus, Frauen kapitulieren ungefähr zehn Sekunden früher. Bei den Dreharbeiten zum Quarks-Film ist etwas Interessantes passiert: Wir haben die Probandin und den Probanden gleichzeitig zum Test gebeten. Normalerweise messen die Wissenschaftler beide nacheinander. Doch in der Gegenwart des anderen Geschlechts haben sich unsere Versuchspersonen offensichtlich länger gequält als sie es sonst getan hätten. Beide hielten unglaublich lange durch: die Frau nahm ihre Hand erst nach fast zwei Minuten aus dem Eiswasser, der Mann hielt noch fünfzehn Sekunden länger durch. Beide haben den Schmerz etwa doppelt so lange ertragen, als es nach den durchschnittlichen Ergebnissen bisher gemessen wurde!

Männer jammern unter sich

Die Frage, warum Frauen schmerzempfindlicher sind als Männer, kann noch nicht endgültig beantwortet werden. Unterschieden wird zwischen biologischen und sozialen Faktoren, letztere entstammen den gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen. Es macht nämlich einen Unterschied, welche Personen dabei sind, wenn man einen Schmerz verspürt. Männer sind in der Gegenwart von Männern viel empfindlicher als wenn eine Frau dabei ist, wie Studien anderer Forschergruppen herausgefunden haben. Es scheint so, als hätte das "starke Geschlecht" das Bedürfnis, Frauen durch eine größere Schmerzunempfindlichkeit zu beeindrucken. Frauen sind durch das Geschlecht Anwesender weniger zu beeindrucken.

Frauen haben dünnere Haut

Die stumpfen Nadel dringen nicht in die Haut ein. Mit ihnen messen die Forscher die Empfindlichkeit gegen Druckschmerz
vergrößern Die biologischen Gründe sind bei weitem noch nicht bis ins Letzte erforscht. Klar ist, dass eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle spielen. So ist zum Beispiel die Hornhaut der Frauen dünner als die der Männer. Ein Reiz erreicht deshalb leichter die ersten Rezeptoren. Auch die Schmerzhemmung, die einen Schmerz nach einer Weile erträglicher werden lässt, funktioniert bei Männern wesentlich effektiver als bei Frauen. Und die Hormone spielen eine Rolle: In Tierversuchen konnte gezeigt werden, dass das männliche Geschlechtshormon Testosteron den Organismus schmerzunempfindlicher macht, während das Östrogen genau das Gegenteil bewirkt.

Von der Mücke zum Elefanten

Wie kann es aber sein, dass die meisten Menschen das Gefühl haben, Männer würden Schmerzen viel schlechter aushalten als Frauen? Hier vermischen sich zwei Phänomene: Schmerzempfindlichkeit und Wehleidigkeit. Männer empfinden zwar einen Reiz später als Schmerz. Doch wenn der dann endlich ankommt, haben sie es auch ganz gern, wenn ihre Umgebung dies wahrnimmt. Studien haben sogar gezeigt, dass Männer durch die Anteilnahme ihrer Partnerin in ihrem Schmerzempfinden noch bestärkt werden. Manche Frau eines chronischen Schmerzpatienten muss deshalb lernen, sich weniger um seine Schmerzen zu kümmern.

Quelle: Quarks & Co, WDR Fernsehen


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